ÖBB – Güterzugumfahrung St. Pölten

Ein Überblick über die Baulose der PORR

Ing. Franz Hofmarcher, OIng. Ing. Herbert Beran

Einleitung

Das Projekt wird im Rahmen des viergleisigen Ausbaus der Westbahn errichtet, ist Teil des Transeuropäischen Netzes und wird von der Europäischen Union kofinanziert.

Der 24,7 km lange Lückenschluss St. Pölten – Loosdorf, die Güterzugumfahrung (GZU), ist eine zweigleisige Neubaustrecke mit einer Entwurfsgeschwindigkeit von 120 km/h. Die Neubaustrecke der Güterzugumfahrung umfährt das Stadtzentrum von St. Pölten im Süden und entlastet somit den Bahnhof St. Pölten vom Güter- und Durchgangsverkehr.

Rückblick

Die Planungen für das Vorhaben begannen bereits 1991. Nach positivem Abschluss der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und des eisenbahnrechtlichen Baugenehmigungsverfahrens wurde im Dezember 1999 mit dem Bau begonnen. Im Jahr 2000 wurde der Bau des Projekts verschoben, da ein erhöhter Kapazitätsbedarf erst nach der Fertigstellung der Neubaustrecke Wien – St. Pölten zu erwarten war. Mit den im Rahmen des Konjunkturbelebungspakets zusätzlich zur Verfügung gestellten Mitteln, konnten die Bauarbeiten zum Lückenschluss St. Pölten – Loosdorf (GZU) wieder fortgesetzt werden. Seit dem Spatenstich im November 2009 wird mit Hochdruck an der neuen zweigleisigen Umfahrung gearbeitet. 2017 wird die Güterzugumfahrung in Betrieb genommen werden.

Zweck der Güterzugumfahrung

  • Kapazitätssteigerung auf der Donauachse insbesondere für den Güterverkehr
  • Betriebliche Entlastung des Bahnhofs St. Pölten vom Güterverkehr und
  • somit Voraussetzungen für ein attraktives Angebot im Personenverkehr
  • Mehr Verbindungen und schnellere Reisezeiten beim Personenverkehr sowie verlässliche Just-in-time Lieferungen im Güterverkehr sind Grundlagen für die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene
  • Verbesserung der Lebensqualität und Entspannung der Lärmsituation für die Anrainer im Stadtzentrum

Unterteilung in Errichtungsabschnitte

Die 24,7 km lange Strecke wurde in vier Abschnitte unterteilt:

Streckengrafik der Güterzugumfahrung (Bild: ÖBB)

Knoten Wagram
Im Knoten Wagram vereinigt sich die neue 2-gleisige Westbahnstrecke (Wien – Tullnerfeld – St. Pölten) mit der alten 2-gleisigen Westbahntrasse. Ebenso zweigt die Güterzugumfahrung 2-gleisig Richtung Süden ab.

Abschnitt Mitte (Stadtquerung St. Pölten; 12,2 km)
Dieser Bereich beginnt unmittelbar nach dem Knoten Wagram, läuft parallel zur S33 Richtung Süden, schwenkt dann in einem 90° Bogen parallel zur A1, quert danach die Stadt St. Pölten Richtung Westen und mündet nach der Autobahnabfahrt St. Pölten Süd in den 3,5 km langen, einröhrigen und 2-gleisigen Pummersdorfer Tunnel.

Abschnitt West (9,3 km)
Ab dem Tunnelportal West verläuft die Trasse parallel zur Westautobahn A1 bis zum Tunnelportal des Radlleitntunnel.

Knoten Rohr
In diesem Kreuzungsbauwerk unmittelbar vor Loosdorf vereinigen sich die Trassen der bestehenden 3-gleisigen Westbahn mit der 2-gleisigen Güterzugumfahrung in den 4-gleisigen Abschnitt der Westbahn Wien – Salzburg.

Baulose der PORR

Die PORR ist bzw. war bei folgenden Bauabschnitten tätig:

Knoten Wagram in ARGE – Technische Geschäftsführung (TGF) PORR Bahnbau
Abschnitt Mitte:  
GUM4–Freilandstrecke in ARGE – TGF PORR Bahnbau
GUM6.2 – Feste Fahrbahn in ARGE – TGF PORR Bahnbau
Abschnitt West:  
GUW2–Freie Strecke in ARGE – TGF PORR Bahnbau
GUW4 – Technikgebäude in LG – PORR Bahnbau und PORR Bau GmbH, NL Niederösterreich

Knoten Wagram

Bereits von 1999 bis 2004 errichtete eine  Arbeitsgemeinschaft unter Federführung der PORR den Knoten Wagram.

Luftbildaufnahme des Knoten Wagram, Blickrichtung Nord/Osten (Bild: PORR AG)

Güterzugumfahrung Abschnitt West, Baulos 2 (GUW2)

Eine Arbeitsgemeinschaft unter wesentlicher Beteiligung der PORR Bahnbau erstand im Frühjahr  2013 den Auftrag für das Baulos GUW2.

Bodenabtrag mit CAT 349 (Bild: PORR AG)
Frostschutzeinbau Bahnstrasse (Bild: PORR AG)
Luftaufnahme Richtung Osten (Bild: PORR AG)

Die PORR Bau GmbH, Niederlassung Krems, errichtete die Entwässerungs-, LSW-, und Asphaltierungsarbeiten.

Einbau der bituminösen Tragschicht (BT) Bahn – Baulosanfang (Bild: PORR AG)
Fertige Trasse BT Bahn (Bild: PORR AG)
Ausleitungsquerung (Bild: PORR AG)

Projektdaten GUW2

Bauherr ÖBB Infrastruktur Bau AG
Bauzeit 2. April 2013 bis 30. Juni 2015
Auftragssumme EUR 8,1 Mio
Länge 5,3 km (km 15,800 bis km 21,125)
Massen:  
Abtrag und Aushub 580.000 m³
Unterbauplanum 130.000 m²
Frostschutz 55.000 m³
Stabilisierung 50.000 m³
Steinsatz 35.000 m³
Bituminöse Tragschicht (BT) Bahn 70.000 m²
LSW-Steher 3.600 m
Oberleitungsmastfundamente 600 m³
Landschaftsbau 135.000 m²

Bauablauf

Das Baulos wurde in zwei Bauphasen abgewickelt:

  • Bauphase 1:

Die Bauphase 1 umfasst den Streckenabschnitt vom Tunnelportal West des Pummersdorfer Tunnels bis zum Einschnittsbereich.

Frostschutzeinbau (Bild: PORR AG)
Herstellen der Lärmschutzdämme (Bild: PORR AG)
Fertiggestelltes Becken im Grundwasser (Bild: PORR AG)
  • Bauphase 2:

Die Bauphase 2 umfasst den Streckenabschnitt „Einschnitt“ bis Tunnelportal Radlleitntunnel.

Herstellung der Steinschlichtung im Einschnitt (Bild: PORR AG)
Schwerer Erdbau mit 50 Tonnen-Bagger (Bild: PORR AG)
Herstellen der BT Bahn im Einschnitt (Bild: PORR AG)

In beiden Abschnitten wurde das Unterbauplanum anstelle einer Bodenauswechslung mittels Tragschichtbinder stabilisiert.

Stabilisierung Unterbauplanum (Bild: PORR AG)
Herstellen der Untergrundstabilisierung (Bild: PORR AG)

Güterzugumfahrung Abschnitt West, Baulos 4 (GUW4)

Die PORR Bahnbau erstand im Frühjahr 2014 in Leistungsgemeinschaft mit der PORR Niederlassung Niederösterreich das Baulos GUW4.

Das Baulos beinhaltet die schlüsselfertige Errichtung von acht Technikgebäuden (TG), einem Sicherheitsausstieg beim Bründlkapellentunnel und das neue Betriebsgebäude beim Unterwerk Rohr.

Projektdaten GUW4

Bauherr ÖBB Infrastruktur Bau AG
Bauzeit 1. Juli 2014 bis 31. Dezember 2015
Auftragssumme EUR 2,8 Mio.
TG 5050 – km 16,140 14 m²
TG 5051 – km 18,055 21 m²
TG 5052 – km 19,847 27 m²
TG 5053 – km 21,235 78 m²
TG 5054 – km 21,650 26 m²
TG 5055 – km 22,480 63 m²
TG 5071 – km 24,394 192 m² (Sicherheitsausstieg Bründlkapellentunnel)
TG 5072 – km 23,330 26 m²
TG 5073 – km 24,394 74 m²
TG 5081 – km 76,105 194 m² (Betriebsgebäude Unterwerk Freiluftschaltanlage 110KV)
Luftbild Technikgebäude TG 5053 (Bild: PORR AG)
Ansicht Technikgebäude TG 5071 (Bild: PORR AG)
Ansicht Unterwerk Rohr 110KV (Bild: PORR AG)

Die Technikgebäude sind für die Unterbringung sämtlicher technischer Anlagen konzipiert. Sie beinhalten – je nach Ausstattung – neben Batterieräumen, Telekomräume, Niederspannungsräume, Traforäume sowie teilweise Sanitärräume und Nasszellen.

Beim TG 5081 werden zusätzlich die Erdarbeiten durchgeführt sowie die Außenanlagen und die Fundamente der 110KV-Freiluftschaltanlage errichtet. Ebenso wird die Adaptierung des Gleisanschlusses (Oberbauarbeiten) durchgeführt.

Güterzugumfahrung Abschnitt Mitte, Baulos 4 (GUM4)

Infolge der Insolvenz der Alpine Bau musste die Bemo Tunneling einen neuen Partner für die Fertigstellung der Freilandstrecke finden. Im Zuge eines Verhandlungsverfahrens erstand die ARGE ÖBB GUW2 im Sommer 2013 diesen Auftrag.

Projektdaten GUM4

Bauherr BEMO Tunneling, Innsbruck
Bauzeit September 2013 bis Mai 2015
Auftragssumme EUR 21,1 Mio
Massen:  
Abtrag und Aushub 260.000 m³
Dammkörper schütten 110.000 m³
Frostschutz 70.000 m³
Unterbauplanum 60.000 m²
Gleisschotter 20.000 m³
Landschaftsbau 120.000 m²
Beton 12.000 m³
Bewehrung 900 t
Lärmschutzwand 25.000 m²
Stahl 280 t
BT-Bahn 115.000 m²
Asphaltierung Begleitwege 40.000 m²
Kabeltröge 8.000 m
GUM 4 – Traisenbrücke Innenansicht (Bild: PORR AG)
GUM 4 – Becken (Bild: PORR AG)

Die PORR Niederlassung in Krems führte die Asphaltierungsarbeiten durch.

BT Bahn im Stadtquerungsbereich (Bild: PORR AG)
Asphaltierungsarbeiten BT Bahn (Bild: PORR AG)

Bauablauf

Das Baulos gliedert sich in drei Bauabschnitte:

  • Abschnitt 1,  Knoten Wagram bis Wagramkante

Hier verläuft die Strecke in einem leichten Einschnitt parallel zur S33 bzw. zur A1. Diverse Überführungen wie die Autobahnabfahrt Ost und Güterwegüberführungen werden unterfahren. Parallel dazu verlaufen die Entwässerungsmaßnahmen in Form von Absetz- und Versickerungsbecken. Um die gesetzmäßig vorgeschriebenen Lärmemissionswerte einzuhalten, wurden beidseitig Lärmschutzmaßnahmen errichtet. Zum Teil sind diese geschütteten Lärmschutzdämme aus Überschussmaterial des Tunnels Pummersdorf, zum Teil wurden die Lärmschutzwände aus Aluminium hergestellt.

Profilierung Lärmschutzdamm (Bild: PORR AG)
Rammrohrfundierung (Bild: PORR AG)
  • Abschnitt 2, Stadtquerungsbereich

Dieser Abschnitt, beginnend mit der Wagramkante, stellt die Querung der Stadt St. Pölten parallel zur A1 dar und endet mit dem Tunnelportal Ost des Pummersdorfertunnels. Die Trasse verläuft in einer bis zu 13 m hohen Dammlage und beinhaltet massive Lärmschutzmaßnahmen in Form von 6 m hohen Lärmschutzwänden aus Beton und Aluminium.

Lufbildaufnahme Blickrichtung Osten (Bild: PORR AG)
Vorschotterung Trasse (Bild: PORR AG)
Brücke über die B20 – Stehermontage (Bild: PORR AG)
Wartungsstiege Damm (Bild: PORR AG)
6 m hohe LSW im Stadtqurungsbereich (Bild: PORR AG)
Rohbau der Beton-LSW (Innenansicht) (Bild: PORR AG)
Montage der ALU-Paneele – LSW (Bild: PORR AG)
Gebogenene LSW auf Brückentragwerk (Bild: PORR AG)

Die bereits in Vorbaulosen im Rohbau errichteten Brückenbauwerke, Traisenbrücke, Brücke über die B20 und mehrere Brückenobjekte im Stadtbereich, werden im Zuge dieses Auftrags ausgestattet und komplettiert.

Traisenbrücke – Ansicht Nord (Bild: PORR AG)
Traisenbrücke – Gleisansicht (Bild: PORR AG)
Traisenbrücke – Montage Stahlbogen (Bild: PORR AG)
Traisenbrücke – Luftbild (Bild: PORR AG)
  • Abschnitt 3, Tunnelportale Ost und West (Pummersdorfer Tunnel)

In den Portalbereichen wurden – abgesehen vom jeweiligen Trassenanschluss – eine Vielzahl an Kabelrohrleitungen, Entwässerungsableitungen und Löschwasserleitungen hergestellt. Die Anbindung an das örtliche Straßennetz sowie die geeigneten Umkehrmöglichkeiten waren ebenfalls Gegenstand dieses Auftrages.

Pummersdorfer Tunnel – Portalbereich West (Bild: PORR AG)
Pummersdorfer Tunnel – Portal West, Unterbauarbeiten (Bild: PORR AG)
Pummersdorfer Tunnel – Portal West, Ausstattung (Bild: PORR AG)
Pummersdorfer Tunnel – Portal Ost, Luftbild (Bild: PORR AG)

Begleitende Maßnahmen
Für die Ableitung der Oberflächenwässer wurden außerhalb der Trasse verschiedene Rückhalte- und Versitzbecken errichtet.

Fertiggestellte Trasse und fertiggestelltes Becken (Bild: PORR AG)
Herstellung eines Beckens (Bild: PORR AG)
Folienverlegung im Becken (Bild: PORR AG)
Kokosmatten-Beckenränder (Bild: PORR AG)

Güterzugumfahrung Abschnitt Mitte, Baulos 6,2 (GUM6.2) – Feste Fahrbahn Pummersdorfer Tunnel

Die Arbeitsgemeinschaft FF GUM6.2 mit der PORR als federführendem Partner errichtet im Pummersdorfer Tunnel die beiden Gleise als Feste-Fahrbahn im bewährten System „elastisch gelagerte Gleistragplatte ÖBB-PORR“. Um die Zufahrt mit Einsatzfahrzeugen zu gewährleisten, werden die Gleise zusätzlich mit befahrbaren Stahlbeton-Fertigteilplatten versehen und der Raum zwischen den Gleisen mit Filterbeton verfüllt.

So entsteht eine im Einsatzfall befahrbare Fläche. Der von der ÖBB Infrastruktur AG vergebene Auftrag beinhaltet weiters die Errichtung der Löschwasserleitungen im Tunnel und in den Notausstiegen sowie ein Masse-Feder-System zur Reduzierung der Erschütterungen im Nahbereich der Ortschaft Pummersdorf.

Projektdaten GUM 6.2

Bauherr ÖBB Infrastruktur Bau AG
Bauzeit 1. März 2015 bis 31. März 2016
Auftragssumme EUR 9,8 Mio. netto
Länge 3,767 km (km 10,671 bis km 14,438)
Gleise Feste Fahrbahn ÖBB-PORR 7.400 m
Beton 9.700 m³
Bewehrung 250 t
Löschwasserleitung 4.200 m
Stahlbeton-Fertigteilplatten befahrbar 11.000 m²
Transport der 120 m Langschienen mittels Spezialtransport (Bild: PORR AG)
Verlegen der Gleistragplatten (Bild: PORR AG)
Rechtes Gleis fertig betoniert, linkes Gleis in Bau (Bild: PORR AG)
Portalansicht Ost (Bild: PORR AG)

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